Ganz schön viel Meinung…

6. Jun, 2019

Manchmal muss man sich schon verwundert die Augen reiben angesichts dessen, was hier gerade in Deutschland abgeht.

Waren es zunächst die “Fridays for Future”-bewegten Jugendlichen, die für das Klima freitags den Unterricht verweigern, so zündete kurz vor der Europawahl die nächste Rakete der Jugendproteste für mehr Klimaschutz: Der YouTube-Influencer Rezo rief in einem seiner Videos zur Zerstörung der CDU auf.

Ich möchte hier gar nicht auf die eher ungeschickten und – in puncto Meinungsfreiheit – bestenfalls missverständlichen Reaktionen insbesondere der CDU-Spitze eingehen, denn Fakt ist: Ob es uns gefällt oder nicht – das ist die neue mediale Realität und der müssen wir uns stellen. Und das Video ist, was die mediale Wirkung betrifft, einfach verdammt gut gemacht!

Vielleicht ist das ja auch der Grund, warum die politischen Akteure sich parteiübergreifend jetzt nahezu panisch auf das Thema Klimaschutz stürzen. Aber Panik war noch nie ein guter Ratgeber. Und natürlich ist es einfacher, mittels der drohenden Apokalypse Maximalforderungen zu stellen, wenn man für die damit einhergehenden Kollateralschäden z.B. bei Arbeitsplätzen, Wohlstand und sozialem Frieden in der Gegenwart nicht in der Verantwortung steht.

Um kein Missverständnis aufkommen zu lassen: Beim Klimaschutz geht es nicht mehr um das „Ob“. Aber angesichts von 2% CO2-Anteil Deutschlands am Weltklima und den gegenläufigen Entwicklungen in vielen Ländern wie z.B. USA (15%) oder China (28%) ist die Frage nach dem „Wie“ mehr als legitim. Denn so traurig das klingt: Wir in Deutschland werden das Weltklima nicht retten können. Im schlimmsten Fall schaden wir dem Weltklima sogar, wenn wir unsere energieintensive Industrie ins kostengünstigere Ausland mit geringeren Umweltstandards und einer Energieversorgung mit schlechterer CO2-Bilanz vertreiben.

Wenn wir also einen realistischen Beitrag – auch als Vorbild für andere Länder – leisten wollen, dann ist in Deutschland eine rationale und pragmatische Klimapolitik gefragt – eine Klimapolitik, die ökologische Effektivität mit ökonomischer Effizienz und sozialem Ausgleich verbindet und so auch dann noch Akzeptanz bei der eigenen Bevölkerung findet, wenn es um die persönliche Betroffenheit geht.