Wie viel kostet eine Kugel Eis?

3. Apr, 2019

Rückblende: „Es bleibt dabei, dass die Förderung Erneuerbarer Energien einen durchschnittlichen Haushalt nur rund 1 € im Monat kostet – so viel wie eine Kugel Eis“ (Bundesumweltminister Jürgen Trittin am 20.07.2004).

Zurück in die Gegenwart: Nach Angaben der Online-Makler Verivox war der Strompreis mit 29,42 ct/kWh im bundesweiten Durchschnitt noch nie so teuer wie im April 2019. Deutschland hat aktuell den höchsten Strompreis in Europa und liegt damit fast doppelt so hoch wie Frankreich und noch über dem bisherigen Spitzenreiter Dänemark.
Grund für den jüngsten Preisanstieg sind in erster Linie die gestiegenen Beschaffungskosten. Laut Bundesnetzagentur lag der Großhandelspreis für Strom im Durchschnitt des vergangenen Jahres – nicht zuletzt aufgrund des Preisanstiegs bei den CO2-Zertifikaten – um rund 30 Prozent über dem Durchschnittspreis für 2017.
Dabei machen die Rohstoffkosten nur etwa 18 Prozent des gesamten Strompreises aus. Nahezu 55 Prozent entfallen auf Steuern und Abgaben, zu denen auch die Ökostromförderung (EEG-Umlage) zählt. Hinzu kommen mit einem weiteren knappen Viertel die Kosten für die Stromnetze. Alles im Wesentlichen Folgen der sogenannten Energiewende.

Jetzt könnte man Jürgen Trittin zu Gute halten, dass er bei den Kosten seiner Kugel Eis allein die Ökostromförderung, also die EEG-Umlage, die aktuell mit 6,4 ct/kWh zu Buche schlägt, im Kopf hatte. Aber selbst beim Edel-Italiener in Berlin oder Schwabing wird man solche Preise nicht finden. Denn legt man den Stromverbrauch eines durchschnittlichen 3-Personen-Haushalts mit rund 4000 kWh/Jahr zugrunde, dann liegt der Preis für eine Kugel grünes Eis (Pistazie?) des Gelataio Jürgen Trittin mittlerweile bei 21 € pro Monat. Oder anders ausgedrückt: Alle Kunden der Eisdiele „Trittino“ in Deutschland zahlen dafür rund 25 Milliarden Euro plus Mehrwertsteuer im Jahr.

Alles hat eben seinen Preis – auch die Energiewende.
Wer jetzt auf die Idee kommt, dass die von vielen Abgaben entlastete energieintensive Industrie hier stärker in die Pflicht genommen werden müsse, der sei daran erinnert, dass auch der Strompreis für die im internationalen Wettbewerb stehende Industrie in Deutschland mittlerweile zu den höchsten in der Welt zählt. Wer also gut bezahlte Industriearbeitsplätze und Investitionen in Deutschland halten will, der wird sich einen anderen Zahlmeister suchen müssen.

Wir könnten ja mal Jürgen Trittin fragen – oder vielleicht besser nicht…

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Zudem finden Sie hier das aktuelle Positionspapier der Bayerischen Chemieverbände zur Energiepolitik Bayerische Chemieverbände_Positionspapier zur aktuellen Energiepolitik_18Mrz2019