Wir kennen die Szene: Auf dem Zehn-Meter-Sprungbrett stehen einige Mutige, bereit zum Sprung, und blicken in die Tiefe. Und am Beckenrand rufen die Zuschauer: Spring! Spring doch endlich!

 

Szenenwechsel:

Am 29. Juni haben Vertreter der Wirtschaft, der Hochschulen und der Politik die Gründungsurkunde für die H2-Reallabor gGmbH Burghausen unterschrieben. Ziel ist die Errichtung eines staatlich geförderten Wasserstoff-Reallabors im Bayerischen Chemiedreieck, in dem innovative Technologien und neue Geschäftsmodelle unter realen Bedingungen erprobt werden können. Neben dem bereits auf den Weg gebrachten Wasserstoffprojekt RHYME ist dies ein weiteres Beispiel dafür, dass gerade die Industrie – entgegen einer immer noch verbreiteten Meinung – bereit ist, ihren Beitrag zum Erreichen der Klimaziele zu leisten. Und dies, obwohl der fundamentale Wechsel in den chemischen Produktionsverfahren – Stichworte: Elektrifizierung und Wasserstoffwirtschaft – nicht nur erhebliche Investitionen in neue Anlagen und Verfahren erfordert. Er kann auch nur gelingen, wenn ein Vielfaches der bisher erforderlichen Energie in Form von klimaneutral erzeugtem Strom oder Wasserstoff zu international wettbewerbsfähigen Preisen planbar und verlässlich auf Dauer zur Verfügung steht. Und hier beginnt die Herausforderung, die es gemeinsam – und zwar nicht nur für das Chemiedreieck oder Bayern, sondern für ganz Deutschland – schnellstmöglich zu lösen gilt: Woher kann die CO2-neutral hergestellte Energie in diesen riesigen Mengen kommen? Wie kommt Sie nach Deutschland und nach Bayern? Und wie bleiben die Energiekosten bezahlbar?

 

Eine Stimme aus dem Chemiedreieck beschreibt die Situation wie folgt: „Wir stehen auf dem Zehn-Meter-Sprungbrett und das Becken unter uns ist leer. Wir springen aber trotzdem und hoffen, es wird schon gut gehen.“ Man könnte ergänzen: Und die „Zuschauer“ rufen: „Springt! Springt doch endlich! Es wird schon Wasser im Becken sein, wenn ihr unten ankommt…“

 

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