KVI-Mitgliederversammlung 2026: Kunststoffindustrie fordert konsequente Stärkung des Industriestandorts
München, 13. Juli 2026 – Die Kunststoff verarbeitende Industrie in Bayern steht weiterhin unter erheblichem wirtschaftlichem Druck. Auf der Mitgliederversammlung des Verbands der Kunststoff verarbeitenden Industrie in Bayern e.V. (KVI) machten Vorstandsvorsitzender Christian Wallstabe und Geschäftsführer Dr. Markus Born deutlich: Externe Krisen belasten die Unternehmen, die größten Herausforderungen liegen jedoch in den strukturellen Standortnachteilen Deutschlands. Der Verband fordert deshalb entschlossene Reformen für mehr Wettbewerbsfähigkeit und Investitionssicherheit.
Standort unter Druck
„Die aktuellen Schwierigkeiten sind nicht allein Folge internationaler Krisen. Sie zeigen vielmehr, dass der Industriestandort Deutschland seit Jahren an Wettbewerbsfähigkeit verliert“, erklärte Wallstabe. Hohe Energiepreise, steigende CO₂-Kosten, zunehmende Bürokratie und langwierige Genehmigungsverfahren erschwerten Investitionen und belasteten die Unternehmen zunehmend.
Die wirtschaftlichen Kennzahlen spiegeln diese Entwicklung wider: 2025 sank die Produktion der Kunststoff verarbeitenden Industrie in Bayern um 2,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Zwar zeigen sich 2026 erste Anzeichen einer Stabilisierung, die Lage bleibt jedoch angespannt. Vor allem die Transformation der Automobilindustrie sowie steigende Kosten entlang der petrochemischen Wertschöpfungskette setzen die Branche unter Druck.
Reformen statt zusätzlicher Belastungen
Geschäftsführer Dr. Markus Born verwies insbesondere auf die Belastungen durch hohe Energie- und Rohstoffkosten. Die angekündigte Schließung des Dow-Crackers in Böhlen sei ein deutliches Warnsignal für die gesamte Wertschöpfungskette. Weitere Kapazitätsverluste könnten die Versorgung der Kunststoffindustrie langfristig beeinträchtigen.
Kritisch bewertet der KVI außerdem aktuelle regulatorische Vorhaben. Das geplante Verbot von Fluorpolymeren im Rahmen der PFAS-Regulierung sowie die Diskussion über eine nationale Plastiksteuer sorgten für erhebliche Verunsicherung. Statt zusätzliche Belastungen zu schaffen, brauche die Industrie verlässliche, technologieoffene Rahmenbedingungen, die Investitionen in Innovationen und Kreislaufwirtschaft ermöglichen.
Die Kunststoffindustrie bekennt sich ausdrücklich zu einer funktionierenden Kreislaufwirtschaft. Voraussetzung dafür seien jedoch marktwirtschaftliche Anreize und langfristige Planungssicherheit. Gemeinsam mit weiteren Industrieverbänden setzt sich der KVI deshalb für einen „Transformationsbooster für die Kreislaufwirtschaft“ ein.
Tarifpolitik
Auch als Arbeitgeberverband arbeitet der KVI an der Zukunftsfähigkeit der Branche. Gemeinsam mit der IGBCE wird das Tarifvertragswerk grundlegend modernisiert, um es an heutige Arbeitsrealitäten anzupassen.
Einen zusätzlichen Impuls lieferte Helena Bach vom Institut der deutschen Wirtschaft (IW) mit einem Vortrag zur Zukunft der Tarifautonomie. Sie unterstrich die Bedeutung moderner Tarifverträge für Planungssicherheit, Fachkräftesicherung und die Attraktivität der Unternehmen.
Fazit
Die Mitgliederversammlung machte deutlich, dass die Kunststoff verarbeitende Industrie bereit ist, die Transformation aktiv mitzugestalten. Dafür braucht sie jedoch wettbewerbsfähige Energiepreise, weniger Bürokratie, investitionsfreundliche Rahmenbedingungen und eine verlässliche Industriepolitik. Nur so kann der Industriestandort Deutschland seine wirtschaftliche Stärke langfristig sichern.
Bildquelle: KVI


