Die neue Zauberformel: H2 – Wasserstoff!

19. Aug, 2020

Nicht nur bei der Corona-Pandemie sucht man fieberhaft nach einer Zauberformel, „Impfstoff“ genannt. Folgt man der öffentlichen Diskussion, so hat man diese beim Klimaschutz offenbar bereits gefunden: Hier lautet die Zauberformel „H2“ – der Wasserstoff soll es nun richten.

Manchem fällt da unser Dichterfürst und Naturforscher J.W. v. Goethe ein. Und das nicht nur wegen dessen „Farbenlehre“, wenn man an all die farbenfroh bezeichneten Herstellungsverfahren denkt, mit denen man z.B. „grauen“, „blauen“, „türkisen“ oder am besten natürlich „grünen“ Wasserstoff herstellen kann. Die öffentliche Diskussion wird auch von vielen „Zauberlehrlingen“ beherrscht, die meinungsstark bereits die Lösung aller Probleme postulieren, ohne sich ernsthaft mit den auch hier erforderlichen Rahmenbedingungen und Wechselwirkungen auseinanderzusetzen.

Damit wir uns nicht missverstehen: Nichts gegen Wasserstoff als Lösungsbaustein! Aber diejenigen, die für die praktische Umsetzung dieses wichtigen Beitrags zum Klimaschutz in der Praxis geradestehen, müssen – auch wenn sie wieder einmal als potentielle „Spielverderber“ apostrophiert werden – immer auch an die dafür erforderlichen Voraus-setzungen erinnern.

Denn, ob per Dampfreformierung oder Pyrolyse aus Kohlenwasserstoffen oder mittels Chlor-Alkali-Elektrolyse, thermochemischer Behandlung von z.B. Biomasse oder Elektrolyse von Wasser, um nur einige wichtige Herstellungsverfahren zu nennen: Die Erzeugung von Wasserstoff benötigt Energie! Wenn es – unter Ausschluss alternativer Technologien (z.B. CCS) – wie aktuell gefordert, dann auch noch ausschließlich „grüner“ Wasserstoff aus der Elektrolyse von Wasser sein soll, muss auch die Frage beantwortet werden, wo die dafür erforderlichen riesigen Mengen an regenerativ erzeugtem „grünem“ Strom für diese Art von „power to gas“ herkommen.

Womit wir wieder bei den „alten“, leider immer noch weitgehend ungelösten Themen „Leitungsausbau“ und Ausbau von Wind- und Solarstrom angelangt wären, die angesichts des beschlossenen Atom- und Kohleausstiegs noch rechtzeitig zu realisieren sind.

Und wenn es um die Frage einer „Rückverstromung“ von (hoffentlich nur mit regenerativem Überschussstrom erzeugtem) Wasserstoff (oder Methan) geht, dann empfiehlt sich hinsichtlich der Umwandlungsverluste und der damit verbundenen Gesamtkostenbilanz auch das nochmalige Studium der Thermodynamik. Die lernt man übrigens (vom „alten Hexenmeister“ respektive Lehrer) im Physik- und Chemieunterricht, möglicherweise auch an einem Freitag….