Tarifverhandlungen für die Kunststoff verarbeitende Industrie gestartet

21. Nov, 2018

Am 14.11.2018 fand in München die erste Tarifverhandlungsrunde für die bayerische Kunststoff verarbeitende Industrie statt. In der Sache klar, aber stets fair, ganz im Sinne der sozialpartnerschaftlichen Zusammenarbeit, so traten sich die Verhandlungsführer der Arbeitgeber sowie der Gewerkschaft gegenüber.
Die IG BCE forderte hierbei eine Erhöhung der Löhne, Gehälter und Ausbildungsvergütungen um 6% bei einer Laufzeit von 12 Monaten sowie eine Verdoppelung des zusätzlichen Urlaubsgeldes. Des Weiteren fordert die IG BCE eine unbefristete Übernahme der Auszubildenden und die Verkürzung der Dauer der Möglichkeiten der sachgrundlosen Befristungen. Vor dem Hintergrund steigender Belastungen, rasant wachsender technologischer Veränderungen und dem Wunsch der Beschäftigten nach mehr Zeitsouveränität, erwartet die Gewerkschaft zudem eine zukunftsorientierte Weiterentwicklung des bestehenden Tarifvertrages. Die Arbeitgeber lehnen diese Forderungen ab.

Die neue IG BCE Landesbezirksleiterin, Frau Beate Rohrig, begründete die Forderung nach einer Entgelterhöhung mit der boomenden wirtschaftlichen Situation in 2017 und 2018 und der auch wieder anziehenden Inflation. Die Verdoppelung des Urlaubsgeldes sei ihrer Meinung nach eine längst überfällige Angleichung an andere Branchen und würde der Wertschätzung der Arbeitnehmer Rechnung tragen. Die geforderte zukunftsorientierte Weiterentwicklung des Tarifvertrags begründete Frau Rohrig mit dem Wunsch der Beschäftigten nach mehr Zeitsouveränität und individuelleren Arbeitszeiten, der steigenden Arbeitsbelastung und den Folgen des Digitalen Wandels.

Herr Walter Vogg, Geschäftsführer des Verbands der Kunststoff verarbeitenden Industrie in Bayern e. V. (KVI), wies in seiner Erwiderung darauf hin, dass für 2019 und darüber hinaus zu verhandeln sei. Aufgrund der aktuellen wirtschaftlichen Entwicklung sei eine Entgeltforderung, die sich einschließlich der geforderten Urlaubsgelderhöhung auf rund 7,4% summiere, unrealistisch. Er sprach sich für eine besonnene Tarifpolitik sowie ein dauerhaft tragbares Entgeltniveau für alle Mitgliedsunternehmen aus, um die internationale Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen zu erhalten.
Die Entwicklung in den Mitgliedsunternehmen zeige, dass die reduzierten Erwartungen und Prognosen der Wirtschaftsforschungsinstitute und der Bundesregierung sowie Kostensteigerungen teilweise bereits in den Unternehmen angekommen seien.
Zur Forderung einer unbefristeten Übernahme der Ausgebildeten sagte er: „Wir haben auf Basis des Grundsatzes ‚Ausbildung vor Übernahme‘ bereits eine Übernahmeempfehlung im Tarifvertrag aufgenommen. Auch der Anteil der Azubis, die sofort unbefristet übernommen werden, hat sich über die Jahre signifikant erhöht. Aus unserer Sicht muss es jedoch im Grundsatz dabei bleiben, dass die Unternehmen gerade in Zeiten, in denen sich die Unsicherheiten wieder erhöhen, frei entscheiden können, wie sie die Übernahmesituation gestalten wollen. Die Übernahmequote insgesamt liege ohnehin bei rund 94%.“

Die Tarifverhandlung wurde ohne Ergebnis unterbrochen und auf den 29. November vertagt.